Anerkennung ausländischer Hochschulabschlüsse aus aktueller Sicht_Ingrid Wadsack-Köchl

 

1. 5-Punkte-Programm zur Berufsanerkennung von Akademikerinnen und Akademikern aus Drittstaaten

2. Nostrifizierung und berufliche Anerkennung

3. Faktenlage

4. Diplombewertungen

5. Das Anerkennungsgesetz in Deutschland

6. Fazit und Ausblick 

 

1. 5-Punkte-Programm zur Berufsanerkennung von Akademikerinnen und Akademikern aus Drittstaaten      

Das jüngst vorgestellte 5-Punkte-Programm[1], das Bundesminister für Wissenschaft und Forschung Ord. Univ.-Prof. Dr. Karlheinz Töchterle gemeinsam mit Integrations-Staatssekretär Sebastian Kurz ausgearbeitet hat, um pionierhaft der Tatsache, dass nur jede dritte Akademikerin und jeder dritte Akademiker mit einer oder mehreren Hochschulqualifikationen aus Staaten, die weder Vertragspartei des Beitrittsvertrags zur Europäischen Union noch des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum (im Folgenden: EU/EWR-Mitgliedstaaten) sind (im Folgenden: Drittstaaten), diese Qualifikationen in Österreich anerkennen lässt[2], entgegen zu treten, nimmt vor allem das im Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung integrierte ENIC NARIC AUSTRIA[3] als zentrale Anlaufstelle für Fragen zur Anerkennung von Hochschuldiplomen in die Pflicht.

Neben der als Programmpunkt geschaffenen Möglichkeit, Nostrifizierungsanträge alternativ zur Antragstellung an den Hochschulen auch bei ENIC NARIC AUSTRIA einbringen zu können, wurde das seit Jahren bestehende Service, auf Antrag eine Bewertung für ein im Inland oder im weltweiten Ausland abgeschlossenes Hochschulstudium zu erhalten, neu beworben und in das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit gerückt.

ENIC NARIC AUSTRIA erfüllt bestehende gesetzliche Aufgaben seit 1. April 1999: Das österreichische nationale Informationszentrum

  • erleichtert den Zugang zu verbindlichen und genauen Informationen über das österreichische Hochschulsystem und österreichische Hochschulqualifikationen;
  • erleichtert den Zugang zu Informationen über die Hochschulsysteme und -qualifikationen der anderen Vertragsparteien[4];
  • berät oder informiert über Anerkennungsangelegenheiten und übernimmt die Bewertung von Qualifikationen weltweit in Übereinstimmung mit den innerstaatlichen Gesetzen und sonstigen Vorschriften.

2. Nostrifizierung und berufliche Anerkennung

Einerseits besteht die Anerkennung eines ausländischen Studienabschlusses als Abschluss eines inländischen Studienabschlusses[5] in der Nostrifizierung (meist als „akademische Anerkennung“ bezeichnet) durch die zuständige österreichische Hochschuleinrichtung nach Durchführung eines Verwaltungsverfahrens (Nostrifizierungsverfahren)[6], wobei die Umwandlung in den entsprechenden österreichischen Studienabschluss mit der Verleihung des damit verbundenen österreichischen akademischen Grades einhergeht. Andererseits stellt die Anerkennung zu beruflichen Zwecken (meist als „berufliche Anerkennung“ bezeichnet) die Einräumung der Berechtigung dar, auf Grund ausländischer Qualifikationen zu bestimmten beruflichen Tätigkeiten zugelassen zu werden. In der Regel stellt sich diese Frage nur für die so genannten „reglementierten“ Berufe bzw. Tätigkeiten, für welche die Zulassung durch Rechtsvorschriften geregelt wird (klassische Beispiele: Ärztinnen und Ärzte, Beamtinnen und Beamte, Lehrerinnen und Lehrer, Wirtschaftstreuhänderinnen und Wirtschaftstreuhänder, Zivilingenieurinnen und Zivilingenieure, verschiedene Gewerbe) und die je nach Beruf und anzuwendender Rechtsvorschrift ein bestimmtes Ausbildungsniveau erfordern. Diesen reglementierten Tätigkeiten stehen faktisch jene sehr nahe, die zwar im Rahmen privatrechtlicher Vereinbarungen[7] und nicht durch eine Rechtsvorschrift geregelt werden, bei denen aber die Arbeitgeberin bzw. der Arbeitgeber ein Zulassungs- und Gehaltsschema verwendet, das denen des reglementierten Bereiches ähnlich ist; meist ist dies in großen Wirtschaftsunternehmen der Fall, bei denen die völlig individuelle Gestaltung von Arbeitsverträgen praktisch nicht machbar ist.

Es ist Sache des Staates – in Österreich können dies der Bund oder die Länder, je nach Zuständigkeit für bestimmte Berufe, sein –, die jeweiligen reglementierten Tätigkeiten und die Zulassung zu ihnen zu regeln. Das gilt auch für die EU/EWR-Mitgliedstaaten. Diese müssen jedoch für die Zulassung zu solchen Tätigkeiten die Qualifikationen von Bewerberinnen und Bewerbern aus anderen Mitgliedstaaten anerkennen, sofern sie im Herkunftsstaat bereits ein entsprechendes Berufsrecht besitzen.[8]

Die formale Voraussetzung für eine Nostrifizierung ist eng an die Verwertbarkeit des Studienabschlusses für den Berufszugang bzw. die Berufsausübung geknüpft. Die Korrelation besteht in der Notwendigkeit des Nachweises eines österreichischen Studienabschlusses für den Zugang zu einem reglementierten Beruf bzw. das Recht zur Fortführung eines reglementierten Berufs[9].[10]

Die Definition des reglementierten Berufs bzw. der reglementierten Tätigkeit findet sich im Gemeinschaftsrecht; diese kann auch zunehmend für Auslegungsfragen im innerstaatlichen Recht herangezogen werden, so beispielsweise Artikel 3 Abs. 1 lit. a der Richtlinie 2005/36/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 7. September 2005 über die Anerkennung von Berufsqualifikationen (im Folgenden Richtlinie 2005/36/EG)[11]: „Reglementierter Beruf ist eine berufliche Tätigkeit oder eine Gruppe beruflicher Tätigkeiten, bei der die Aufnahme oder Ausübung oder eine der Arten der Ausübung direkt oder indirekt durch Rechts- und Verwaltungsvorschriften an den Besitz bestimmter Berufsqualifikationen gebunden ist; eine Art der Ausübung ist insbesondere die Führung einer Berufsbezeichnung, die durch Rechts- oder Verwaltungsvorschriften auf Personen beschränkt ist, die über eine bestimmte Berufsqualifikation verfügen“.

Die Richtlinie 2005/36/EG schafft in ihrem Anwendungsbereich neben der Anerkennung EU-weit koordinierter Berufsausbildungen[12] ein generelles Anerkennungsprozedere für berufliche Qualifikationen, darunter im Speziellen hochschulische Qualifikationen, um im Mitgliedstaat der Niederlassung bzw. der Dienstleistungserbringung unter denselben Bedingungen wie Personen mit Berufsqualifikationen, welche im Aufnahmemitgliedstaat erworben wurden, tätig werden zu können.[13] Um den Anerkennungsmechanismus aufgrund der allgemeinen Regelung festzulegen, müssen die einzelstaatlichen Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung in Niveaus[14] unterteilt werden[15], welche ENIC NARIC AUSTRIA neben anderen Bewertungsmaßstäben als Bezugspunkt für die Bewertung (siehe Diplombewertungen Punkt 4) von Hochschulabschlüssen dienen.

Dieses für EU/EWR-Staatsangehörige in Folge des grundsätzlichen zwischenstaatlichen Vertrauens in die Vergleichbarkeit nationaler Hochschulqualifikationen innerhalb der EU erleichterte Verfahren ist im Falle von in Drittstaaten erworbenen Hochschulqualifikationen nicht oder nur in Ausnahmefällen[16] anwendbar. Die Nostrifizierung ist im Falle von Drittstaatsdiplomen somit eine notwendige Voraussetzung für die Ausübung reglementierter Berufe in Österreich.

3. Faktenlage

Im Jahr 2011 hat das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung eine Umfrage unter den Berufsverbänden (im Konkreten der Kammern der freien Berufe[17]) durchgeführt, um die Akzeptanz hinsichtlich eines Abgehens von der derzeitigen Verfahrenslage durch Abschaffung der Nostrifizierung an den Hochschulen und die ersatzweise berufliche Anerkennung durch eine zu gründende zentrale Anerkennungsbehörde zu ermitteln. Dieser Vorschlag wurde von den befragten Stellen mehrheitlich abgelehnt.

Die Zahlen der jährlich finalisierten Nostrifizierungsverfahren zeigen ein geringes Potenzial: Im Jahr 2010 wurden an den Universitäten insgesamt  191 Verfahren, an den Fachhochschulen insgesamt 43 positiv abgeschlossen.

Quantitativ gesehen ist eine Abschätzung für die Zukunft kaum möglich. An den Universitäten gibt es zwar sehr wenige Nostrifizierungsverfahren; dafür ist allerdings oft die Furcht vor komplizierten Verfahren und ausuferndem zeitlichen Aufwand für die Ablegung von Ergänzungsprüfungen[18] ausschlaggebend.[19] Die vielen Anträge auf Bewertungen durch das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung bzw. ENIC NARIC AUSTRIA (2011 waren es knapp über 2000; in den ersten drei Monaten des Jahres 2012 waren es bereits 945) zeigen, dass das Bedürfnis nach Anerkennung ausländischer Diplome sehr groß ist und lassen darauf schließen, dass bei einigermaßen straff organisiertem Verfahren auch eine erheblich größere Zahl an Nostrifizierungsansuchen einlangen würde, als dies derzeit bei den Universitäten der Fall ist.

Diesem Umstand trägt nun auch der Vorschlag für eine Änderung des Universitätsgesetzes Rechnung, indem die Bearbeitungsfrist einschließlich der Erlassung des Nostrifizierungsbescheids, die mit dem Einbringen des Antrags auf Nostrifizierung zu laufen beginnt, für das zuständige universitäre Organ drei Monate[20] nicht überschreiten darf (§ 90 UG in der Fassung der Regierungsvorlage vom 23. März 2012[21] wurde vom Wissenschaftsausschuss des Nationalrats am 11. April 2012 genehmigt). Innerhalb dieser dreimonatigen Frist muss dem Nostrifizierungswerber eine verbindliche Entscheidung hinsichtlich seines Nostrifizierungsantrags zugehen, wobei gegebenenfalls auch die zu erfüllenden ergänzenden Auflagen (in der Regel handelt es sich um Ergänzungsprüfungen) genannt werden müssen.

4. Diplombewertungen

Die Diplombewertung ist ein offizielles Dokument von ENIC NARIC AUSTRIA des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung, in dem eine ausländische Hochschulqualifikation, diese ist zumeist mit der Innehabung eines ausländischen akademischen Grades verbunden, beschrieben wird und mit dem die beruflichen und akademischen Verwendungsmöglichkeiten bescheinigt werden. Es kann auch auf dem Arbeitsmarkt verwendet werden.

Ursprünglich geht diese Bestätigungsform auf Art. VI.2 des Lissabonner Anerkennungsübereinkommens zurück, wonach die zuständigen nationalen Stellen (ENIC) auf Antrag Bewertungen von Einzelqualifikationen (Assessment of individual qualifications) durchführen.

Die Diplombewertungen werden derzeit gebührenfrei vorgenommen und haben keinen Bescheidcharakter; sie besitzen demnach keine unmittelbaren Rechtswirkungen, wohl vermitteln sie aber aufgrund ihres hohen Informationsgehalts in Verbindung mit der hochspezialisierten Expertise Entscheidungsgrundlagen für Dienstgeberinnen und Dienstgeber, Bildungseinrichtungen, Behörden[22] und Privatpersonen.

Im Detail werden sowohl der Akkreditierungsstatus der verleihenden ausländischen Hochschule als auch der verliehene akademische Grad begutachtet und zusammenfassend, sofern im Referenzbereich des österreichischen Studienrechts möglich, mit einer Vergleichbarkeitsbestätigung beschrieben. Dabei wird eine vergleichende Einstufung vorgenommen: Die Diplombewertung nennt den österreichischen Hochschulabschluss, mit dem der ausländische vergleichbar ist, und informiert über die Möglichkeiten der Fortsetzung des Studiums sowie über Verfahren zur beruflichen Anerkennung. Des Weiteren werden Spezifika für den Bereich reglementierter Berufe jeweils nach Zielgruppe – EU/EWR-Staatsangehörige bzw. Drittstaatsangehörige – dargelegt. Insgesamt wird eine auf die jeweiligen aus dem Antrag hervorgehenden Bedürfnisse[23] der Antragstellerinnen und Antragsteller bzw. derer Dienstgeberinnen und Dienstgeber zugeschnittene Information erstellt. Zumeist sind berufliche Intentionen für die Antragstellung ausschlaggebend.

5. Das Anerkennungsgesetz in der Bundesrepublik Deutschland

Das am 1. April 2012 in Kraft getretene Anerkennungsgesetz des Bundes (Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz – BQFG) regelt Anerkennungsverfahren für knapp 500 reglementierte und nicht-reglementierte Berufe in Deutschland. Für die Anerkennung in landesrechtlich geregelten Berufen (z.B. Erzieherinnen und Erzieher, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Lehrerinnen und Lehrer u.a.) bereiten die deutschen Länder derzeit gesetzliche Neuregelungen vor.

Regelungsziel der Richtlinie 2005/36/EG ist die Gewährleistung von Arbeitnehmerfreizügigkeit bzw. Dienstleistungsfreiheit, d.h. der Berufszugang bzw. die Niederlassung muss in jedem Fall ermöglicht werden. Deshalb sieht das EU-Recht bei wesentlichen Unterschieden von Qualifikationen zwingend Ausgleichsmaßnahmen (Eignungsprüfungen oder Anpassungslehrgänge) vor. Das Anerkennungsgesetz nimmt diesen Regelungsansatz der Richtlinie auf und erstreckt deren Vorgaben weitest möglich auf Drittstaatsangehörige bzw. Inhaberinnen und Inhaber von Drittstaatsabschlüssen.

Im Bereich der nicht reglementierten Berufe sind Anerkennungsbescheide – anders als im Bereich der reglementierten Berufe – nicht Voraussetzung für die Berufsausübung, sondern in erster Linie ein „Transparenzinstrument“. Ein Anerkennungsbescheid erleichtert den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern die Einschätzung von Auslandsqualifikationen und verbessert damit die Arbeitsmarktchancen der Auslandsqualifizierten. Die Verfahren für den nicht-reglementierten Bereich werden ebenfalls mit dem Anerkennungsgesetz (Artikel 1 BQFG) entsprechend ausgestaltet. Die sogenannte Gleichwertigkeitsfeststellung verleiht der Antragstellerin oder dem Antragsteller die gleichen Rechte und Pflichten wie der Inhaberin oder dem Inhaber des vergleichbaren deutschen Abschlusses. Die Rechtsfolgen wurden im Berufsbildungsgesetz (BBiG) und in der Handwerksordnung (HwO) entsprechend angepasst.

Werden im Verfahren wesentliche Unterschiede zwischen dem Auslandsabschluss und dem deutschen Referenzabschluss festgestellt, sind sowohl die vorhandenen Qualifikationen als auch die wesentlichen Unterschiede von den zuständigen Stellen[24] darzustellen. Eine förmliche „Teilanerkennung“ wie bei den reglementierten Berufen erfolgt allerdings nicht, da es auch für Bildungsinländerinnen und Bildungsinländer keine Teilabschlüsse gibt. Die detaillierte Darstellung der vorhandenen Qualifikationen und wesentlichen Unterschiede hilft den Fachkräften, sich auf dem Arbeitsmarkt zu bewerben oder sich gezielt weiter zu qualifizieren und dann gegebenenfalls ein erneutes Verfahren auf Feststellung der Gleichwertigkeit anzustreben.

Zusammenfassend entfällt bei den nicht-reglementierten Berufen der formalisierte Ausgleich wesentlicher Unterschiede durch Anpassungsmaßnahmen. Eine individuelle Nachqualifizierung ist aber möglich.

Kein formalisiertes Verfahren nach dem Anerkennungsgesetz gibt es allerdings für ausländische Hochschulabschlüsse, die nicht Voraussetzung für die Ausübung eines reglementierten Berufs sind (z.B. Diplom-Physiker, Mathematiker, Ökonom etc.). Diese Abschlüsse bescheinigen für sich betrachtet keine berufsspezifischen, sondern akademische Fachkompetenzen und können keinem Referenzberuf klar zugeordnet werden. Für diese Abschlüsse besteht jedoch die Möglichkeit einer individuellen Zeugnisbewertung durch die ZAB.

Für Inhaber eines ausländischen Hochschulabschlusses stellt die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB)[25] – auf der Grundlage des Lissabonner Anerkennungsübereinkommens – gegen Gebühr Zeugnisbewertungen aus, die potentiellen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern die Einordnung des ausländischen Hochschulabschlusses in das deutsche Bildungswesen erleichtern sollen. Im internationalen Kontext arbeitet die ZAB als ENIC NARIC Deutschland eng mit den nationalen Äquivalenzzentren in den Ländern der Europäischen Union (NARIC), des Europarates und der UNESCO (ENIC) zusammen.

6. Fazit und Ausblick

Der österreichische rechtliche Rahmen sieht Anerkennungen von Hochschulabschlüssen von Drittstaatsangehörigen im Bereich der nicht reglementierten Berufe, ähnlich wie in Deutschland, als unverbindliche Empfehlungen mit Gutachtensqualität vor. Im Gegensatz zur deutschen richtungsweisenden bundesgesetzlichen Verankerung der Anerkennung von Drittstaatsdiplomen für reglementierte Berufe kann in Österreich im Bereich der – für die Ausübung reglementierter Berufe notwendigen – Nostrifizierung von akademischen Abschlüssen aus Drittstaaten mit den zukünftigen Verfahrenserleichterungen eine höhere Antragsfrequenz erwartet werden.

Die immer größer werdende Nachfrage nach Diplombewertungen verdeutlicht zusätzlich die Effektivität als Einstiegshilfe am Arbeitsmarkt für Migrantinnen und Migranten. Nahezu zeitgleich steigt das Interesse der Wirtschaft an akademisch qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Mittelfristig könnte sich eine wünschenswerte win-win-Situation einstellen.


[1] Rückfragehinweis: (i) Integrationsstaatssekretariat, Minoritenplatz 9, 1014 Wien; Pressereferat, Tel.: +43 1 531260; mailto: kristina.rausch@bmi.gv.at. (ii) Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, Minoritenplatz 5, 1014 Wien; Pressesprecherin: Mag. Elisabeth Grabenweger, Tel.: +43 1 531 20-9014, mailto: elisabeth.grabenweger@bmwf.gv.at.

[2] Studie “Beschäftigungssituation    von MigrantInnen”, Jänner 2012; L&R Sozialforschung, 1060 Wien; Hrsg. Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien, S. 131 ff.

[3] Das österreichische Informationszentrum für Anerkennungsfragen ist Mitglied des (i) ENIC: European Network of Information Centres in the European Region: Etabliert auf der Grundlage des  Übereinkommens über die Anerkennung von Qualifikationen im Hochschulbereich in der europäischen Region („Lissabonner Anerkennungübereinkommen“), Lissabon, 11. April 1997; BGBl. III Nr. 71/1999, englische und deutsche Sprachfassung (derzeit ist das Übereinkommen in 50 Staaten in Kraft) und von (ii) NARIC: National Academic Recognition Information Centres in the European Union: Die Gründung des NARIC-Netzwerks geht auf eine Initiative der Europäischen Kommission im Rahmen des Programms “Lebenslanges Lernen” im Jahr 1984 zurück.

[4] Es handelt sich um die Vertragsparteien des Lissabonner Anerkennungsübereinkommens (vgl. FN 3).

[5] Auch Postsekundär- bzw. Tertiärabschluss: Die Abschlüsse des postsekundären bzw. tertiären Bereichs  (Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogische Hochschulen, Akademien und Kollegs) werden zusammenfassend als Postsekundär- bzw. Tertiärabschlüsse bezeichnet. Werkmeister- und Meisterabschlüsse werden bei internationalen Vergleichen auch dem Postsekundär- bzw. Tertiärbereich zugeordnet.

Das Universitätsgesetz 2002 – UG, BGBl. I Nr. 120/2002 in der geltenden Fassung bezeichnet die Diplomstudien, die Bachelorstudien, die Masterstudien und die Doktoratsstudien als ordentliche Studien.

[6] Die Nostrifizierung erfolgt an den öffentlichen Universitäten auf der Grundlage von § 90 UG durch Bescheid des für die studienrechtlichen Angelegenheiten zuständigen Organs. Die nähere Ausgestaltung des Nostrifizierungsverfahrens bestimmt die Satzung der Universität.

Die Nostrifizierung erfolgt an den Fachhochschulen bzw. bei den Fachhochschul-Studiengängen gemäß § 6 Abs. 6 des Fachhochschul-Studiengesetzes – FHStG, BGBl. Nr. 340/1993 idF BGBl. I Nr. 74/2011 durch das Kollegium der betreffenden Einrichtung.

Über die Nostrifizierung entscheidet an den staatlichen Pädagogischen Hochschulen gemäß § 68 des Bundesgesetzes über die Organisation der Pädagogischen Hochschulen und ihre Studien (Hochschulgesetz 2005 – HG, BGBl. I Nr. 30/2006 in der geltenden Fassung die Rektorin oder der Rektor der betreffenden Pädagogischen Hochschule.

[7] Insbesondere kollektivvertraglicher Vereinbarungen.

[8] Artikel 13 der Richtlinie 2005/36/EG, ABl. L 255 vom 30.9.2005, S. 22 (siehe auch FN 13).

[9] Die in Österreich reglementierten Berufe sind folgende:

http://ec.europa.eu/internal_market/qualifications/regprof/index.cfm?lang=de

[10] Die Antragstellung betreffend die Anerkennung eines ausländischen Studienabschlusses als Abschluss eines inländischen ordentlichen Studiums (Nostrifizierung) setzt den Nachweis voraus, dass die Nostrifizierung zwingend für die Berufsausübung oder die Fortsetzung der Ausbildung der Antragstellerin oder des Antragstellers in Österreich erforderlich ist. Nähere Bestimmungen sind in der Satzung festzulegen (§ 90 Abs. 1 UG).

[11] ABl. L 255 vom 30.9.2005, S. 22.

[12] Beispielsweise Ärztinnen und Ärzte, Architektinnen und Architekten, Zahnärztinnen und Zahnärzte.

[13] Die sogenannte allgemeine Regelung für die Anerkennung von Ausbildungsnachweisen gemäß Artikel 13 der Richtlinie 2005/36/EG lautet: Wird die Aufnahme oder Ausübung eines reglementierten Berufs in einem Aufnahmemitgliedstaat von dem Besitz bestimmter Berufsqualifikationen abhängig gemacht, so gestattet die zuständige Behörde dieses Mitgliedstaats den Antragstellern, die den Befähigungs- oder Ausbildungsnachweis besitzen, der in einem anderen Mitgliedstaat erforderlich ist, um in dessen Hoheitsgebiet die Erlaubnis zur Aufnahme und Ausübung dieses Berufs zu erhalten, die Aufnahme oder Ausübung dieses Berufs unter denselben Voraussetzungen wie Inländern.

[14] Artikel 11 der Richtlinie 2005/36/EG.

[15] Erwägungsgrund 13 der Richtlinie 2005/36/EG.

[16] Sofern sein Inhaber in dem betreffenden Beruf drei Jahre Berufserfahrung im Hoheitsgebiet des Mitgliedstaats, der diesen Ausbildungsnachweis anerkannt hat, besitzt und dieser Mitgliedstaat diese Berufserfahrung bescheinigt (Artikel 3 Abs. 3 der RL 2005/36/EG).

[17] Österreichische Apothekerkammer, Österreichische Ärztekammer, Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten, Kammer der Wirtschaftstreuhänder, Österreichische Notariatskammer, Österreichische Patentanwaltskammer, Österreichischer Rechtsanwaltskammertag, Österreichische Tierärztekammer, Österreichische Zahnärztekammer.

[18] Die von der Hochschule auferlegten Ergänzungsprüfungen zielen auf den Ausgleich wesentlicher Unterschiede in den entscheidungsrelevanten Hochschulstudien anhand eines Vergleichs der Curricula (Studienpläne) ab; in diesem Zusammenhang wird in der Entscheidungspraxis bzw. den satzungsmäßigen Richtlinien der Hochschulen eine inhaltliche Abweichung von 10- 25% der gesamten Studienleistungen eines Studienabschlusses als unwesentlich angesehen.

[19] Dies bestätigt auch die Studie “Beschäftigungssituation von MigrantInnen” (siehe Fußnote 3).

[20] Derzeit hat die Universität gemäß § 73 AVG spätestens sechs Monate nach Antragstellung auf Nostrifizierung einen Bescheid zu erlassen.

[21] 1710 der Beilagen XXIV. GP

[22] So in der Praxis als Sachverständigengutachten in der Begründung eines Bescheids.

[23] Die Bewertung des ausländischen akademischen Grades dient der Einschätzung des Ausbildungsstatus von Einzelpersonen; die Bestätigung zur Führung eines ausländischen akademischen Grades hat Feststellungscharakter; die Bestätigung eines ausländischen akademischen Grades hinsichtlich aufenthalts- und niederlassungsrechtlicher Bestimmungen beantwortet die Frage nach dem Vorliegen der allgemeinen Universitätsreife gemäß § 64 Abs. 1 UG; die Bestätigung eines österreichischen akademischen Grades für ausländische Stellen beinhaltet die Beschreibung des abgeschlossenen österreichischen Studiums im internationalen bzw. europäischen Kontext.

[24] Das sind die zuständigen Behörden für sogenannte Ausbildungsberufe (z.B. Kammern, Gewerbebehörden), in Österreich den für Berufsausbildungen der berufsbildenden höheren Schulen (BHS) oder Lehrberufe zuständigen Stellen vergleichbar.

[25] Die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) ist die zentrale Stelle für die Bewertung ausländischer Qualifikationen in Deutschland. Hierzu gehören schulische und berufliche sowie Hochschulqualifikationen. Die ZAB erbringt Dienstleistungen für Bildungseinrichtungen, Behörden und Privatpersonen. Sie beantwortet jedes Jahr etwa 27.000 Anfragen. Für die Anerkennung ausländischer Qualifikationen ist – je nach Ziel – eine Vielzahl unterschiedlicher Stellen in den Ländern zuständig. Diese Stellen können die ZAB um ein Gutachten im konkreten Einzelfall oder um allgemeine Informationen über das betreffende Land und sein Bildungssystem bitten. Diese Informationen sind auch über die Datenbank ANABIN zugänglich.

 

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Mag. Ingrid Wadsack-Köchl im Porträt

Mag. Ingrid Wadsack-Köchl schloss das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Graz ab und begann 1993 ihre Tätigkeit im Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung im Bereich Hochschullehrer-Dienstrecht. Seit 2002 ist sie im Bereich internationales Hochschulrecht tätig; seit Jänner 2012 als stellvertretende Leiterin der Abteilung III/7 sowie ENIC NARIC AUSTRIA im Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung. Sie ist unter anderem für das hochschulrelevante EU-Recht, internationales Hochschulrecht und Anerkennungsfragen im Besonderen für die Länderbereiche Asien, Türkei und Tschechische Republik sowie das neue Abkommen zur Anerkennung von Studienabschlüssen zwischen Österreich und Italien zuständig. Im Sommersemester 2012 übt sie eine Lehrtätigkeit im Rahmen des Fachhochschul-Masterstudienganges „Human Ressource Management und Arbeitsrecht“ an der Fachhochschul-Studiengänge Burgenland GesmbH aus. Gemeinsam mit Dr. Heinz Kasparovsky hat sie „Prüfungs- und Diplomanerkennung im Hochschulbereich“ (Hrsg. Berka/Brünner/Hauser, Neuer Wissenschaftlicher Verlag, 1. Auflage 2005) veröffentlicht. Mag. Ingrid Wadsack-Köchl ist verheiratet und hat drei Kinder.

Gepostet von am 16.04.2012. In Expertenforum, Featured, News, Öffentliches Recht. Abonnieren mit RSS 2.0. Sie können Kommentare oder Trackbacks setzen

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